Elena (28) arbeitet seit drei Jahren als Projektmanagerin in einem IT-Unternehmen in Wien. Sie hat ihr Team durch zwei komplexe Software-Launches geführt, die beide unter Budget und vor Deadline abgeschlossen wurden. Ihr aktuelles Bruttogehalt liegt bei 3.200 Euro monatlich. Eine aktuelle Gehaltserhebung der Branche zeigt, dass vergleichbare Positionen in Wien zwischen 3.500 Euro und 4.200 Euro brutto liegen.
Elenas Vorgesetzte hat sie zu einem Jahresgespräch eingeladen. Elena will die Gelegenheit nutzen, um strategisch zu verhandeln — nicht nur über das Gehalt, sondern auch über Karriereentwicklung, Weiterbildung und flexible Arbeitsformen. Sie bereitet sich vor: Sie sammelt ihre Erfolge, vergleicht ihre Position mit Branchendaten der Arbeiterkammer und überlegt sich Alternativen für den Fall, dass die Verhandlung nicht zum Ziel führt.
Elenas Situation berührt auch eine größere gesellschaftliche Debatte: den Gender Pay Gap. Die Gründe für den Gap sind vielfältig — Teilzeit, Branchen- und Berufseffekte, Erwerbsunterbrechungen, Diskriminierung sowie unterschiedliche Verhandlungsspielräume. Verhandlungsverhalten allein erklärt den Gap nicht; das zeigt auch die Forschung. Eine neue EU-Richtlinie zur Lohntransparenz soll künftig helfen, ungleiche Bezahlung leichter aufzudecken.
In den folgenden Aufgaben analysierst du gemeinsam mit Elena ihre Verhandlungsposition, erarbeitest eine Strategie auf Basis verhandlungspsychologischer Prinzipien und ordnest das Thema kritisch in den gesellschaftlichen Kontext von Lohngerechtigkeit und Lohntransparenz ein.
Quellen für dieses Szenario: Statistik Austria, Verdienststrukturerhebung 2023 — Gender Pay Gap (statistik.at) · Eurostat, Gender Pay Gap 2023 (ec.europa.eu/eurostat) · Arbeiterkammer Österreich (AK), Gehaltsrechner und Gleichstellungsindex (arbeiterkammer.at) · ÖGB Frauen, Frauen.Management.Report und Gehaltsanalysen (oegb.at); EU-Richtlinie 2023/970 zur Lohntransparenz
Ordne jedem Fachbegriff aus der Verhandlungspsychologie die passende Definition zu. Beachte: Die Buchstaben rechts sind bewusst gemischt.
Beschreibungen:
Bewerte die folgenden Aussagen auf Basis der österreichischen Arbeitsmarktrealität.
Kollektivverträge legen branchenweite Mindestgehälter fest, in vielen Branchen liegen die tatsächlich gezahlten Ist-Gehälter über diesem Mindestniveau.
Das Fixgehalt ist immer der einzige relevante Bestandteil eines Vergütungspakets — Boni, Sachbezüge oder Weiterbildung spielen keine Rolle.
Lohntransparenz, wie sie die EU-Richtlinie 2023/970 vorsieht, kann dazu beitragen, ungleiche Bezahlung sichtbar zu machen und den Gender Pay Gap zu verringern.
Der unbereinigte Gender Pay Gap in Österreich lag 2023 laut Statistik Austria bei rund 18,4 Prozent, der bereinigte bei rund 12,4 Prozent.
Neben dem Bruttogehalt können in vielen Unternehmen auch Boni, Pensionszuschüsse, Weiterbildungsbudgets, Homeoffice-Regelungen und Arbeitszeitmodelle verhandelt werden.
Fülle die Lücken mit den passenden Fachbegriffen aus der Wortbank. Jeder Begriff wird genau einmal eingesetzt.
Elena überlegt, ob sie in der Verhandlung das alternative Jobangebot der Konkurrenz aktiv erwähnen soll. Sammle Pro- und Contra-Argumente aus unterschiedlichen Perspektiven.
Soll Elena das alternative Jobangebot mit 3.800 Euro brutto in der Verhandlung von sich aus offenlegen?
Beantworte die folgenden Fragen ausführlich und mit Begründung.
a) Entwickle für Elena eine konkrete Verhandlungsstrategie: Welche Eröffnung wählt sie, welche drei Kernargumente bringt sie vor, und wie reagiert sie auf ein Gegenangebot von 3.400 Euro? Beziehe dich auf mindestens zwei verhandlungspsychologische Prinzipien aus Aufgabe 1.
b) Erkläre den Gender Pay Gap multifaktoriell: Nenne mindestens vier strukturelle Ursachen (z. B. Branchen- und Berufeeffekte, Teilzeitanteil, Care-Arbeit, Diskriminierung, Verhandlungsspielräume) und erläutere, warum eine Reduktion auf das Verhandlungsverhalten von Frauen zu kurz greift. Verweise dabei auf den Unterschied zwischen unbereinigtem (ca. 18,4 %) und bereinigtem (ca. 12,4 %) Pay Gap in Österreich (Quelle: Statistik Austria 2023).
c) Inwiefern kann Lohntransparenz (z. B. EU-Richtlinie 2023/970) den Gender Pay Gap verringern? Nenne mindestens zwei konkrete Wirkmechanismen — und einen möglichen Einwand.
Wenn du fertig bist, kannst du deine Antworten als PDF herunterladen und abgeben.