Lukas ist 16 Jahre alt und hat einen Job in einem Café angenommen. Sein Lohn wird nicht in bar ausgezahlt, sondern auf sein Bankkonto überwiesen. Er fragt sich: Wo ist sein Geld eigentlich? In der Bank liegt kein Stapel Scheine mit seinem Namen. Ein Freund erklärt ihm, dass sein Geld als Buchgeld auf dem Konto gespeichert ist — eine Zahl in den Computersystemen der Bank.
Lukas wird neugierig: Wenn das Geld nur eine Zahl ist, wer schafft denn neues Geld — und nach welchen Regeln? Seine Mutter erzählt ihm von der Geldschöpfung. Bargeld (Münzen und Banknoten) wird im Auftrag der Eurozonen-Notenbanken hergestellt und in Umlauf gebracht. Buchgeld entsteht hingegen vor allem dann, wenn Geschäftsbanken Kredite vergeben: Sie schreiben dem Kreditnehmer den Betrag auf seinem Konto gut.
Geschäftsbanken können dabei nicht beliebig viel Geld schöpfen. Sie sind durch mehrere Regeln begrenzt: durch die Mindestreservepflicht der EZB, durch Eigenkapitalvorgaben (z. B. Basel-Regeln) und durch die Bonität der Kund:innen. Indirekt steuert die EZB die Geldschöpfung über ihre Leitzinsen — vor allem den Hauptrefinanzierungssatz, den Einlagesatz und den Spitzenrefinanzierungssatz. Senkt die EZB die Zinsen, werden Kredite tendenziell günstiger; hebt sie sie, werden Kredite teurer.
Im Wirtschaftsunterricht lernt Lukas außerdem das Inflationsziel der EZB kennen: mittelfristig 2 Prozent (symmetrisch, seit der Strategie-Überprüfung 2021). Die EZB nutzt ihre Instrumente, um dieses Ziel zu erreichen. In den folgenden Aufgaben analysierst du gemeinsam mit Lukas, wie Geld geschöpft wird, welche Rolle Geschäftsbanken und EZB dabei spielen und wie die Geldpolitik wirkt.
Quellen für dieses Szenario: Europäische Zentralbank, Geldpolitische Strategie und Inflationsziel — Strategy Review 2021 (ecb.europa.eu) · Europäische Zentralbank, Leitzinsen des Eurosystems (ecb.europa.eu) · Österreichische Nationalbank (OeNB), Aufgaben des Eurosystems und Was ist Geld? (oenb.at) · Europäische Zentralbank, Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) — Bericht 2022 (ecb.europa.eu)
Fülle die Lücken mit den passenden Begriffen aus der Wortbank. Jeder Begriff wird genau einmal eingesetzt.
Entscheide bei jeder Aussage, ob sie auf Basis der aktuellen Regeln richtig oder falsch ist.
Buchgeld ist genauso gültiges gesetzliches Zahlungsmittel wie Bargeld und wird im Alltag häufiger genutzt als Münzen und Scheine.
Die EZB hat seit der Strategie-Überprüfung 2021 ein mittelfristiges, symmetrisches Inflationsziel von 2 Prozent.
Die Leitzinsen der EZB sind dauerhaft auf 0 Prozent festgelegt und können nicht verändert werden.
Wenn die EZB den Hauptrefinanzierungssatz senkt, werden Kredite für Geschäftsbanken tendenziell günstiger und das kann die Geldmenge anregen.
Geschäftsbanken können beliebig viel Geld schöpfen — sie sind durch keinerlei Regeln begrenzt.
Ordne den folgenden Akteuren bzw. Begriffen jeweils die passende Aussage zu.
Beschreibungen:
Sammle aus unterschiedlichen Perspektiven Pro- und Contra-Argumente. Stelle beide Seiten ausgewogen dar.
Sollte die EZB die Leitzinsen senken, um die Wirtschaft anzukurbeln, auch wenn das Risiken wie höhere Inflation oder Vermögensblasen mit sich bringt?
Beantworte die folgenden Fragen in eigenen Worten und mit Begründung.
a) Wenn dir eine Bank einen Kredit über 5.000 Euro gibt, entsteht neues Buchgeld. Erkläre den Vorgang Schritt für Schritt und nenne mindestens drei Begrenzungen, die für die Geldschöpfung gelten.
b) Lukas verdient 500 Euro monatlich, sein Lohn wird auf das Konto überwiesen. Wo existiert dieses Geld eigentlich, und worin unterscheidet es sich von einem 500-Euro-Schein in der Geldbörse?
c) Angenommen, die EZB hebt den Hauptrefinanzierungssatz deutlich an. Beschreibe mindestens drei mögliche Folgen für Kreditnehmer:innen, Sparer:innen und die Inflation.
Wenn du fertig bist, kannst du deine Antworten als PDF herunterladen und abgeben.