Maximilian ist 16 Jahre alt und besucht eine HAK in Wien. Im Unterricht behandelt seine Klasse die globale Finanzkrise von 2008. Sein Lehrer erklärt: Ausgangspunkt war der US-Hypothekenmarkt. Banken hatten zu viele Kredite an Personen vergeben, die diese bei steigenden Zinsen oder fallenden Hauspreisen kaum noch bedienen konnten.
Diese Hypotheken wurden in komplexe Finanzprodukte (Verbriefungen, Derivate) verpackt und weltweit an andere Banken, Versicherungen und Pensionsfonds verkauft. Als die Hauspreise in den USA ab 2007 zu fallen begannen, verloren diese Wertpapiere stark an Wert. Plötzlich war unklar, welche Banken noch solvent waren und welche hohe Verluste in ihren Büchern verbargen. Das Vertrauen zwischen den Banken brach zusammen: Sie verliehen sich gegenseitig kein Geld mehr.
Maximilian erfährt von den Folgen: Weil der Bankensektor eng mit der Realwirtschaft verbunden ist, schlugen die Finanzprobleme rasch auf Unternehmen, Beschäftigung und Wachstum durch. Lehman Brothers ging am 15. September 2008 insolvent; die USA verabschiedeten daraufhin das TARP-Programm im Umfang von rund 700 Milliarden US-Dollar. In Österreich beschloss die Regierung 2008 ein Bankenpaket mit rund 100 Milliarden Euro Garantien und etwa 15 Milliarden Euro Eigenkapitalmaßnahmen. Schlagworte wie 'Too Big to Fail' wurden weltweit zum Thema.
In den folgenden Aufgaben analysierst du gemeinsam mit Maximilian die Ursachen der Krise, ihre wirtschaftlichen Auswirkungen und die kontroverse Debatte um die staatliche Bankenrettung.
Quellen für dieses Szenario: Financial Crisis Inquiry Report (US-Kongress, 2011) · Bank for International Settlements (BIS), 79th Annual Report (2009) · Oesterreichische Nationalbank (OeNB), Finanzmarktstabilitätsbericht 2009 · U.S. Department of the Treasury, TARP Final Report
Vervollständige den folgenden Text. Verwende dabei die Wörter aus der Wortbank. Jedes Wort wird genau einmal eingesetzt.
Entscheide bei jeder Aussage, ob sie richtig oder falsch ist.
Die Finanzkrise 2008 begann mit der Subprime-Hypothekenkrise in den USA, breitete sich aber rasch zu einer globalen Krise aus.
Banken in Europa waren von der Krise kaum betroffen, weil sie keine US-Hypothekenwertpapiere gekauft hatten.
Derivate sind komplexe Finanzprodukte, deren Risiken oft nicht vollständig durchschaut wurden — das trug zur Krise 2008 bei.
Eine Liquiditätskrise bedeutet, dass eine Bank kurzfristig nicht genug Zahlungsmittel hat, um ihre laufenden Verpflichtungen zu erfüllen.
Staatliche Bankenrettungen sind politisch und wissenschaftlich umstritten: Befürworter:innen und Kritiker:innen bewerten sie unterschiedlich.
Ordne den fünf Begriffen die jeweils passende Beschreibung zu.
Beschreibungen:
Sammle Argumente für und gegen die staatlichen Bankenrettungen 2008/2009. Achte darauf, Befürworter:innen- und Kritiker:innen-Positionen klar zu unterscheiden und zu begründen.
Sollten Staaten in Finanzkrisen große, systemrelevante Banken mit Steuermitteln stützen?
Beantworte die folgenden Fragen in eigenen Worten und mit Begründung.
a) Erkläre, wie Subprime-Hypotheken und Verbriefungen (Derivate) zur Finanzkrise 2008 führten. Welche Rolle spielten Banken und Ratingagenturen bei der Unterschätzung der Risiken?
b) Beschreibe, wie sich die Vertrauenskrise zwischen Banken ab Herbst 2008 auf die Realwirtschaft (Unternehmen, Beschäftigung, Investitionen) ausgewirkt hat.
c) Stelle die Debatte um Bankenrettungen aus zwei Perspektiven dar: Welche Argumente bringen Befürworter:innen, welche Kritiker:innen? Begründe, welche Argumente du für besonders stark hältst und warum.
Wenn du fertig bist, kannst du deine Antworten als PDF herunterladen und abgeben.