Katarina ist 17 Jahre alt und besucht ein Gymnasium in Salzburg. Im Geschichtsunterricht hat sie über die Hyperinflation in der Weimarer Republik 1923 gelernt: Menschen verbrannten Geldscheine zum Heizen, weil sie weniger wert waren als Brennholz. Im Wirtschaftsunterricht diskutiert ihre Klasse nun, was aus dieser historischen Erfahrung für die heutige Geldpolitik folgt.
Katarinas Lehrer stellt die geldpolitische Strategie der EZB vor: ein mittelfristiges Inflationsziel von 2 Prozent, Steuerung über den Leitzins sowie unkonventionelle Maßnahmen wie Anleihenkäufe (Quantitative Easing). Er erläutert die Quantitätstheorie des Geldes, wonach eine schnell wachsende Geldmenge bei gleichbleibendem Güterangebot tendenziell zu Inflation führt — ein Zusammenhang, den moderne Ökonom:innen je nach Schule unterschiedlich gewichten.
Für ein Referat recherchiert Katarina aktuelle Beispiele: In der Türkei und in Argentinien kämpften die Zentralbanken zuletzt mit hoher zweistelliger Inflation, während Japan jahrzehntelang mit Deflation und niedriger Inflation zu kämpfen hatte. In der Eurozone stieg die Inflation 2022 auf zeitweise rund 10,6 Prozent (Spitzenwert im Oktober 2022) und ging bis 2024 wieder auf etwa 2,4 Prozent zurück.
In den folgenden Aufgaben analysierst du mit Katarina historische und aktuelle Inflationskrisen, bewertest die Instrumente der Geldpolitik und entwickelst ein Verständnis dafür, warum Preisstabilität so wichtig für eine funktionierende Wirtschaft und Gesellschaft ist.
Quellen für dieses Szenario: Deutsche Bundesbank, Geld und Geldpolitik – Hyperinflation 1923 · IMF World Economic Outlook (Oktober 2018) zu Venezuela · Statistik Austria, VPI 2022 & 2024 · Eurostat / EZB, HVPI Eurozone 2022 & 2024
Vervollständige den folgenden Text. Verwende dabei die Wörter aus der Wortbank. Jedes Wort wird genau einmal eingesetzt.
Ordne den fünf Begriffen die jeweils passende Beschreibung zu.
Beschreibungen:
Entscheide bei jeder Aussage, ob sie richtig oder falsch ist.
Hyperinflation in der Eurozone gilt heute als unwahrscheinlich, weil die EZB ein klares Mandat zur Preisstabilität hat und politisch unabhängig agieren soll.
Quantitative Easing erhöht die Geldmenge der Zentralbank und führt automatisch und unmittelbar zu hoher Verbraucherinflation.
Inflationserwartungen können sich selbst erfüllen: Wer hohe Inflation erwartet, fordert höhere Löhne oder kauft schneller — was die Inflation antreiben kann.
Der Realzins ist negativ, wenn die Inflationsrate höher ist als der Nominalzins auf dem Sparbuch.
Die Hyperinflation 1923 in Deutschland und die Inflation 2022 in der Eurozone hatten praktisch dieselben Ursachen.
Katarina diskutiert mit ihrer Klasse, ob Quantitative Easing (Anleihenkäufe der Zentralbank zur Ausweitung der Geldmenge) in einer Wirtschaftskrise eine sinnvolle Maßnahme ist. Sammle jeweils mindestens drei Argumente. Achte darauf, Befürworter:innen- und Kritiker:innen-Positionen klar voneinander zu trennen.
Ist Quantitative Easing in einer schweren Wirtschaftskrise eine sinnvolle Maßnahme der Zentralbank?
Beantworte die folgenden Fragen in eigenen Worten und mit Begründung.
a) Vergleiche die Hyperinflation in der Weimarer Republik 1923 mit der hohen Inflation in der Eurozone 2022. Worin unterscheiden sich Ursachen, Ausmaß und Folgen? Warum gilt eine Hyperinflation in der Eurozone heute als unwahrscheinlich?
b) Erkläre die Lohn-Preis-Spirale anhand eines konkreten Beispiels. Beschreibe, wie dieser Mechanismus die Inflation antreiben kann und welche Rolle Sozialpartner und EZB dabei spielen.
c) Stelle die EZB-Politik der letzten Jahre (Quantitative Easing nach 2008, lange Niedrigzinsphase, schnelle Leitzinserhöhungen ab 2022) aus zwei Perspektiven dar: Wie bewerten Befürworter:innen, wie bewerten Kritiker:innen diese Politik? Belege deine Argumente.
Wenn du fertig bist, kannst du deine Antworten als PDF herunterladen und abgeben.