Leonie ist 16 Jahre alt und lebt in Wien. In den letzten zwei Jahren hat sie beobachtet, wie die Preise im Supermarkt stark gestiegen sind. Butter, die früher 2 Euro kostete, lag zeitweise bei rund 3,20 Euro. Die Heizkosten ihrer Familie haben sich beinahe verdoppelt, und das Öffi-Ticket für Schülerinnen und Schüler ist ebenfalls teurer geworden.
Im Wirtschaftsunterricht erklärt ihr Lehrer die verschiedenen Ursachen von Inflation: nachfragebedingte Inflation (wenn zu viel Geld auf zu wenige Waren trifft), angebotsbedingte Inflation (wenn die Produktionskosten steigen, etwa durch teurere Energie) und importierte Inflation (wenn Rohstoffe auf dem Weltmarkt teurer werden). Er zeigt: Die Inflation in Österreich erreichte 2022 laut Statistik Austria rund 8,6 Prozent, fiel 2024 aber wieder auf etwa 2,9 Prozent.
Leonie lernt: Inflation trifft nicht alle Menschen gleich. Familien mit niedrigem Einkommen spüren steigende Lebensmittel- und Energiepreise stärker als wohlhabende Haushalte, weil sie einen größeren Teil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse ausgeben. Sparerinnen und Sparer verlieren real an Kaufkraft, wenn die Inflation höher ist als der Zinssatz auf ihrem Sparbuch. Kreditnehmer:innen mit festem Zinssatz hingegen profitieren tendenziell, weil ihre Schulden real an Wert verlieren — gleichzeitig sind neue Kredite bei höheren Leitzinsen aber teurer.
In den folgenden Aufgaben analysiert Leonie mit ihrer Klasse die Ursachen und Folgen der Inflation, lernt die Rolle der EZB kennen und bewertet, wie verschiedene Bevölkerungsgruppen betroffen sind.
Quellen für dieses Szenario: Statistik Austria, Verbraucherpreisindex (VPI) Jahresdurchschnitt 2022 und 2024 · Europäische Zentralbank (EZB), HVPI Eurozone 2022–2024 · Oesterreichische Nationalbank (OeNB), Inflationsbericht 2024
Vervollständige den folgenden Text. Verwende dabei die Wörter aus der Wortbank. Jedes Wort wird genau einmal eingesetzt.
Entscheide bei jeder Aussage, ob sie richtig oder falsch ist.
Wenn die EZB den Leitzins erhöht, wird es teurer, sich Geld zu leihen, und die Nachfrage sinkt — das kann die Inflation bremsen.
Inflation trifft alle Menschen gleich, unabhängig von ihrem Einkommen.
Kreditnehmer:innen mit festem Zinssatz profitieren tendenziell von Inflation, weil ihre Schulden real weniger wert werden.
Steigende Energiepreise sind ein Beispiel für angebotsbedingte Inflation.
Die EZB kann die Inflation sofort und vollständig kontrollieren, indem sie den Leitzins ändert.
Ordne den fünf Begriffen die jeweils passende Beschreibung zu.
Beschreibungen:
Die EZB hat den Leitzins zwischen 2022 und 2023 mehrfach erhöht, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Sammle Argumente für und gegen diese Strategie. Achte auf unterschiedliche Perspektiven (z. B. Sparer:innen, Kreditnehmer:innen, Unternehmen, Beschäftigte).
Ist es richtig, dass die EZB den Leitzins deutlich erhöht, um die Inflation zu senken?
Beantworte die folgenden Fragen in eigenen Worten und mit Begründung.
a) Erkläre, warum die Inflation 2022 in Österreich vor allem als angebotsbedingte Inflation gilt. Welche konkreten Ereignisse haben die Preise in die Höhe getrieben?
b) Analysiere, warum Inflation Menschen mit niedrigem Einkommen stärker trifft als wohlhabende Haushalte. Verwende konkrete Beispiele für Ausgaben.
c) Beschreibe Schritt für Schritt, wie eine Leitzinserhöhung der EZB dazu führen soll, dass die Preise weniger stark steigen. Welche unbeabsichtigten Folgen kann das haben?
Wenn du fertig bist, kannst du deine Antworten als PDF herunterladen und abgeben.