Sophia ist 17 Jahre alt, besucht die siebte Klasse eines Gymnasiums in Wien und interessiert sich für Politik und internationale Beziehungen. Im Rahmen eines Schulprojekts zum Thema Steuergerechtigkeit recherchiert sie, warum manche internationalen Großkonzerne in Österreich vergleichsweise wenig Steuern zahlen, obwohl sie hier hohe Umsätze erzielen.
Sophia erfährt, dass Unternehmen wie Amazon ihre Gewinne über Tochterfirmen in Länder mit niedrigeren Steuersätzen verschieben – sogenannte Steueroasen oder Niedrigsteuerländer. Gleichzeitig zahlt der Bäcker um die Ecke in Wien seine Körperschaftsteuer in voller Höhe. Sophia ist irritiert und fragt sich: Wie kann das legal sein, und was unternimmt die Politik dagegen?
Ihr Wirtschaftslehrer erklärt der Klasse das Konzept der globalen Mindeststeuer und wie die OECD versucht, den internationalen Steuerwettbewerb einzudämmen. Er betont aber auch, dass Steuerpolitik immer ein Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Standortattraktivität und einer fairen Verteilung der Steuerlast ist. Sophia soll in ihrem Referat verschiedene Perspektiven sachlich darstellen.
In den folgenden Aufgaben analysierst du gemeinsam mit Sophia steuerpolitische Zusammenhänge auf nationaler und internationaler Ebene. Du lernst, wie Steuervermeidung funktioniert, welche Maßnahmen dagegen ergriffen werden und wie unterschiedliche Interessengruppen das Thema Steuergerechtigkeit bewerten.
Quellen für dieses Szenario: Bundesministerium für Finanzen (BMF), Körperschaftsteuer und globale Mindeststeuer, oesterreich.gv.at (2024) · Wirtschaftskammer Österreich (WKO), Steuerguide 2025 – Körperschaftsteuer und KöSt-Senkung · OECD, Pillar Two Model Rules / BEPS Project (2021–2023) · Europäische Kommission, State-Aid-Berichte zu Apple, Amazon, Fiat (2016–2023)
Fülle die Lücken mit den passenden Begriffen aus der Wortbank. Jedes Wort wird genau einmal verwendet.
Ordne den folgenden Begriffen die passenden Beschreibungen zu. Jede Beschreibung passt zu genau einem Begriff.
Beschreibungen:
Entscheide bei jeder Aussage, ob sie richtig oder falsch ist.
Die österreichische Körperschaftsteuer (KöSt) wurde von 25 % auf 23 % im Jahr 2024 gesenkt.
Steuerhinterziehung ist in Österreich legal, solange das Unternehmen international tätig ist.
Die globale Mindeststeuer von 15 % gilt EU-weit seit 2024 und betrifft große Unternehmen mit einem Konzernumsatz von mehr als 750 Millionen Euro pro Jahr.
Die OECD hat das Zwei-Säulen-Modell entwickelt, um den internationalen Steuerwettbewerb einzudämmen.
Die Mindeststeuer löst alle Probleme der Steuervermeidung vollständig und endgültig.
In Sophias Klasse wird kontrovers diskutiert, ob die globale Mindeststeuer von 15 Prozent eine gute Idee ist. Sammle jeweils mindestens drei Argumente dafür und dagegen aus unterschiedlichen Perspektiven.
Ist die globale Mindeststeuer von 15 Prozent für Großkonzerne eine gute und gerechte Maßnahme?
Beantworte die folgenden Fragen in eigenen Worten und mit Begründung.
a) Erkläre anhand eines vereinfachten Beispiels, wie ein internationaler Konzern seine Gewinne in eine Steueroase verschieben kann. Warum ist das in vielen Fällen legal, und warum wird es trotzdem als Problem gesehen?
b) Ein österreichischer Kleinunternehmer zahlt 23 Prozent Körperschaftsteuer auf seine Gewinne, während ein internationaler Konzern durch Gewinnverschiebung effektiv nur 3 Prozent zahlt. Analysiere, warum diese Situation als ungerecht empfunden wird und welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft und den Staatshaushalt hat.
c) Bewerte die globale Mindeststeuer von 15 Prozent: Reicht dieser Satz aus, um das Problem der Steuervermeidung zu lösen? Welche Schwächen hat das Konzept, und was müsste zusätzlich getan werden?
d) Was versteht man unter Steuergerechtigkeit? Beschreibe mindestens zwei unterschiedliche Sichtweisen und erkläre, warum das Thema so umstritten ist.
Wenn du fertig bist, kannst du deine Antworten als PDF herunterladen und abgeben.