Steuern – Das österreichische Steuersystem verstehen (Mittel)

Mittel⏱ 25 Minuten

📖 Szenario

Noah ist 16 Jahre alt und macht neben der Schule einen Ferialjob in einem Sportgeschäft in Villach. Für vier Wochen Vollzeit-Arbeit im Sommer hat er einen Bruttolohn von 1.600 Euro vereinbart. Als er seine erste Gehaltsabrechnung sieht, ist er überrascht: Vom Bruttolohn werden Sozialversicherungsbeiträge abgezogen, und am Ende bleibt deutlich weniger übrig.

Noah fragt seinen Vater, warum so viel abgezogen wird. Sein Vater erklärt ihm, dass jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer in Österreich Sozialversicherungsbeiträge zahlt – aktuell etwa 18 Prozent des Bruttolohns als Arbeitnehmeranteil. Liegt das Jahreseinkommen unter dem steuerfreien Grundbetrag (2025: 13.308 Euro), fällt zusätzlich keine Lohnsteuer an. Falls die Bank dennoch Lohnsteuer einbehält, kann man sie über die Arbeitnehmerveranlagung zurückholen.

Im Wirtschaftsunterricht lernt Noah mehr über das österreichische Steuersystem. Er erfährt, dass es einen progressiven Tarif gibt – das bedeutet, dass der Steuersatz mit steigendem Einkommen stufenweise ansteigt (2025: 0 %, 20 %, 30 %, 40 %, 48 %, 50 % und 55 % für Einkommensteile über einer Million Euro). Er lernt den Unterschied zwischen Brutto und Netto kennen und versteht zum ersten Mal, was auf seiner Gehaltsabrechnung steht.

In den folgenden Aufgaben beschäftigst du dich gemeinsam mit Noah mit dem österreichischen Steuersystem. Du lernst, wie die Einkommensteuer aufgebaut ist, was auf einer Gehaltsabrechnung steht und wie die Arbeitnehmerveranlagung funktioniert. Außerdem überlegst du, welche Argumente für und gegen einen progressiven Tarif sprechen.

Quellen für dieses Szenario: Bundesministerium für Finanzen (BMF), Einkommensteuertarif 2025 und steuerfreier Grundbetrag, oesterreich.gv.at · Arbeiterkammer Österreich (AK), Arbeitnehmerveranlagung – Tipps und Fristen (2025) · Wirtschaftskammer Österreich (WKO), Lohnnebenkosten in Österreich (2025) · Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK), Geringfügigkeitsgrenze 2025

1

Lückentext zum Steuersystem

Fülle die Lücken mit den passenden Begriffen aus der Wortbank. Jedes Wort wird genau einmal verwendet.

BruttolohnLohnsteuerNettolohnArbeitnehmerveranlagungprogressiv
1. Den ________ nennt man das Gehalt vor allen Abzügen – also den Betrag, der im Arbeitsvertrag oder auf dem Lohnzettel als Ausgangsbetrag steht.
2. Den ________ nennt man jenen Betrag, der nach Abzug von Sozialversicherung und Steuern tatsächlich auf dem Konto landet.
3. Vom Gehalt zieht der Arbeitgeber automatisch ________ ab und führt sie an das Finanzamt ab.
4. Das österreichische Einkommensteuersystem ist ________ aufgebaut – das bedeutet, dass der Steuersatz mit steigendem Einkommen stufenweise ansteigt.
5. Über FinanzOnline lässt sich mithilfe der ________ zu viel einbehaltene Lohnsteuer vom Finanzamt zurückholen.
2

Begriffe rund um Steuern und Lohnzettel zuordnen

Ordne den folgenden Begriffen die passende Beschreibung zu. Jede Beschreibung passt zu genau einem Begriff.

Beschreibungen:

a) Pflichtbeiträge für Kranken-, Pensions-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung, die vom Lohn abgezogen werden.
b) Gehalt vor allen Abzügen, wie es im Arbeitsvertrag steht.
c) Steuersystem, bei dem höhere Einkommensteile mit einem höheren Prozentsatz besteuert werden.
d) Steuer auf das Einkommen aus unselbstständiger Arbeit, die der Arbeitgeber ans Finanzamt abführt.
e) Antrag beim Finanzamt, um zu viel einbehaltene Lohnsteuer zurückzubekommen.
1.Bruttolohn
2.Sozialversicherung
3.Lohnsteuer
4.Progressiver Tarif
5.Arbeitnehmerveranlagung
3

Richtig oder falsch?

Entscheide bei jeder Aussage, ob sie richtig oder falsch ist.

Der Bruttolohn ist immer höher als der Nettolohn, weil Steuern und Sozialversicherung abgezogen werden.

In Österreich zahlt jeder Arbeitnehmer den gleichen Prozentsatz an Einkommensteuer, unabhängig vom Einkommen.

Die Arbeitnehmerveranlagung kann über FinanzOnline eingereicht werden und ermöglicht es, zu viel einbehaltene Lohnsteuer zurückzuholen.

Ferialjobbende müssen grundsätzlich keine Steuern zahlen, weil sie noch Schüler:innen sind.

Im progressiven Tarif zahlen Personen mit höherem Einkommen einen höheren Prozentsatz auf jene Einkommensteile, die in eine höhere Tarifstufe fallen.

4

Pro und Contra: Progressiver Steuertarif

Im Unterricht diskutiert Noahs Klasse, ob der progressive Steuertarif gerecht ist. Sammle jeweils mindestens drei Argumente für und gegen das progressive Steuersystem aus unterschiedlichen Perspektiven.

Ist der progressive Steuertarif, bei dem Besserverdienende auf höhere Einkommensteile einen höheren Prozentsatz zahlen, gerecht?

👍 Pro

👎 Contra

5

Offene Fragen zum Steuersystem

Beantworte die folgenden Fragen in eigenen Worten und mit Begründung. Notiere bei Rechenaufgaben deinen Rechenweg.

a) Noah verdient im Ferialjob 1.600 Euro brutto. Davon werden rund 18 Prozent (Arbeitnehmeranteil) Sozialversicherung abgezogen. Berechne, was Noah ungefähr netto bleibt, wenn er mit seinem Jahreseinkommen klar unter dem steuerfreien Grundbetrag von 13.308 Euro liegt und damit 0 % Lohnsteuer anfallen. Hinweis: Falls die Lohnverrechnung trotzdem Lohnsteuer einbehält, kann er sie über die Arbeitnehmerveranlagung zurückholen.

b) Erkläre in eigenen Worten, warum der progressive Steuertarif als Instrument der Umverteilung gilt. Was soll das System für die Gesellschaft leisten – und welche Kritik gibt es daran? Achte darauf, beide Seiten sachlich darzustellen.

c) Was ist der Unterschied zwischen Lohnsteuer und Einkommensteuer? Wer zahlt welche Steuer und wie wird sie eingehoben? Verwende ein Beispiel mit einer Angestellten und einer Selbstständigen.

Wenn du fertig bist, kannst du deine Antworten als PDF herunterladen und abgeben.